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Das Kalasag-Kali-System ist eine philippinische kampfsportarten, von Meister Vito Lettieri etabliert. Es basiert auf der Lehre der Waffen: Traditionelle Klingen (Bolo, Barong, Kampilan usw.), welche im Training von den bequemeren 70 cm langen Rattanstöcken ersetzt werden, die man einzeln oder für beide Hände gebrauchen kann. Der Einsatz von Rattan dient dazu, die Gelenke, Sehnen und Bänder von den heftigen Vibrationen der Schläge zu verschonen. Duze Klingen (Messer, Balisong, Karambit), Sibat (langer Stock in Form eine Lanze), Dos Manos (mittlerer Stock), Ascia, Tabac-Malit (kleiner tödlicher Stock) und Schwert und Daga (Waffen mit kurzer und langer Klinge). Die 14 Angriffswinkel und die dazugehörenden Entwaffnungstechniken werden gelehrt, ausserdem wird durch ebenso viele Übungen die Sensibilität geschult, genannt Hubud Lubud. Um die Kombination der Schläge, seis im Angriff wie in der Verteidigung einfacher zu lernen, werden die Kabisidado gelehrt (im Arnis oder Escrima besser unter dem spanischen Begriff Abadedario oder Sumbrada bekannt), Angriffs- und Abwehrsequenzen welche eine Phase des Kampfes simulieren. Im Kali-Kalasag gibt es 10+10 Kabisidado. Durch das kennen lernen der Waffen wird man mit den Prinzipien des Systems vertraut, wobei extreme Wichtigkeit auf die korrekte Art der Bewegung gelegt wird, dargestellt durch die Dreiecke (männlich, weiblich, neutral, Ritirada, Urong-Sulong). Diese stellen den Kern des ganzen Systems dar. Keine Technik, kein Prinzip und keine Bewegung, seien sie bewaffnet als auch unbewaffnet, stehend oder am Boden, kann korrekt ausgeführt werden, wenn der Gebrauch der Dreiecke nicht vollständig erfasst worden ist. Um diese Bewegungen noch besser auszufeilen und mit den diversen Angriffs- und Verteidigungssequenzen zu koordinieren, werden Trockenübungen, sogenannte Bituin gemacht, was auf philippinisch soviel wie Stern bedeutet, bei denen man sich in die verschiedenen Himmelsrichtungen bewegt, als ob man sich im Zentrum eines Sterns befände. Hat man einmal entspannte und fliessende Bewegungen erlangt, kann man sich freier bewegen, ohne Schemen, wie in einem Tanz, welcher Sayaw genannt wurde und von den Philippinos aufgeführt wurde, um den einfallenden Heeren die Kampftechniken zu verbergen. Die Dreiecke sind nicht nur eine Art sich zu bewegen, sondern lehren auch wie nachzugeben, den Körper in der richtigen Position einzusetzen, um eine Technik zu erreichen und die Kraft des Gegners zu spüren, indem sie zum eigenen Vorteil gebraucht wird (ein Prinzip, welches viele Kampfsportarten gemein haben). Es handelt sich um ein Konzept, welches einigen taoistischen und anderen Theorien ähnelt, im speziellen dem von Ying und Yang, was jedoch purer Zufall ist, Kali bezieht sich auf keine spezifische Philosophie. 
Von den erreichten Prinzipien des bewaffneten Kampfes geht man zum unbewaffneten Kampf über. Während der Schlacht konnte es passieren, dass ein Krieger die Waffe verlor. Dadurch durfte aber der Ausgang des Kampfes nicht beeinflusst werden und unbewaffnet zu kämpfen durfte kein Nachteil bedeuten, weil im Kali die echte Waffe unser Körper ist. Ein Stock, ein Messer, eine Machete sind Objekte die eine Verlängerung unserer Arme darstellen. Sie zu verlieren dürfte kein Problem bedeuten. Unsere „natürlichen Waffen“ (Fäuste, Ellbogen, Knie, Tritte) haben dieselben Charakteristiken wie eine jedwelche Waffe: ich kann damit entzweien, schneiden, töten. Zusätzlich haben sie eine höhere Sensibilität, indem sie die Stärke des Gegners deutlicher spüren, auch Dank der vorhergehenden Arbeit mit den Waffen, welche unsere Wahrnehmung beim Kampf ohne Waffen erhöht. Weiters lernt man den Suntukan (philippinischen Boxkampf) und somit 14 Angriffswinkel kennen, denen wir schon im bewaffneten Kampf begegnet sind und die nun ohne Waffen und zusätzlich mit Ellbogen und den Gunting ausgeführt werden; der Sikaran, Tritttechniken (frontal, seitlich und rundherum mit dem Schienbein) und Kniestösse, welche am mittleren und unteren Teil des Körpers ausgeführt werden. Mit dem Gunting lernt man eine grundlegende Strategie des Kali, das Brechen der gegnerischen Gelenke, seis in der Verteidigung als auch im Angriff, mittels einer Bewegung der Arme, die einer Schere ähnelt. Im Tagalog-Dialekt heisst Gunting „der Schlange den Zahn brechen“. Während eines Kampfes wird normalerweise darauf abgezielt, sofort den Kopf des Gegners zu treffen. Im Kali ist alles was man vor sich findet gut genug eine Zielscheibe zu sein, vor allem die Gelenke, welche die Hauptgefahr darstellen und daher, auch wenn nur vorübergehend, auszuschalten sind. Dies könnte sich als kampfentscheidend erweisen. Dies weil man auch während einem bewaffneten Kampf dazu neigt, die bewaffnete Hand des Gegners mit peitschenden Hieben mit der eigenen Waffe (Pitik) zu treffen. Während eines unbewaffneten Kampfes verändert sich die Strategie nicht: mit den Handknöcheln oder den Ellbogen bricht man die Gelenke des Gegners genauso, als hätte man einen Stock oder eine Klinge zur Verfügung.
Davon kann abgeleitet werden, dass das Angriffs- als auch das Verteidigungskonzept sehr vermischt sind, der Unterschied ist sehr dünn, die Techniken verändern sich dauernd von Angriff zu Verteidigung und umgekehrt, sodass es im Kampf fast unmöglich ist, festzustellen, welche der beiden es nun sei. Ein Angriff kann durch einen Wakly (von den Waffen abgeleitete Technik) umgeleitet werden, im Fall dass man, während man mit dem Arm des Gegners in Kontakt kommt, den Druck des Schlages „spürt“ und ihn fliessen lässt, indem man die Energie aufnimmt um sie dann wieder zurück zu geben, oder man bricht mit einem Gunting. Auch im unbewaffneten Kampf werden Hubud Lubud-Übungen gemacht, um die Sensibilität in den 14 Winkeln zu erhöhen. Um die Angriffe und die Gunting besser zu kombinieren, werden die 10+10 Kabisidado wieder aufgenommen, natürlich unbewaffnet ausgeführt, wo einem Angriff eine Abwehr durch Gunting entspricht.
Es ist angebracht, sich auch bei alledem immer der Grund legenden Wichtigkeit der Dreiecke zu erinnern.
An dieser Stelle können wir bestätigen, dass Kali ein Kampfsport ist, der hauptsächlich mit Schlägen operiert und jedoch alle eventuellen Aspekte des Kampfes angeht und somit bleibt uns nichts anderes übrig, als den weniger mit Schlägen auskommenden, dadurch aber nicht weniger tödlichen Aspekten in die Augen zu schauen: den Trang Kada und dem Dumog. Die Trang Kada sind Gelenkhebelungen, welche jeweils nach einem Schlag oder während einer Körper an Körper-Phase eingesetzt werden, bei welcher der Gegner eine Position einnimmt, in der schlicht seine Bewegung genutzt wird, um eine Hebelung auszuführen. In diesem Teil erhalten die Dreiecke eine noch grössere Wichtigkeit, und die Sensibilität – in dieser Phase des ganzen Körpers – ist Grund legend für eine korrekte Ausführung der Techniken. All dies soll auf eine fliessende Art geschehen, ohne je Kraft auf Kraft wirken zu lassen. Es ist der Gegner, der in einem gewissen Sinne die Techniken leitet, die gemacht werden. Wer sie ausführt muss lediglich den Bewegungen folgen, indem er immer gewahr ist, dass eine Hebelung in jedem Moment zu einer Gegenhebelung werden kann und umgekehrt. In diesem Szenario der Hebelungen und Gegenhebelungen geht man in die Dumog-Phase über.
Der Dumog ist der Kampf der stehend und hauptsächtlich am Boden ausgeführt wird. Es ist uns wichtig festzuhalten, dass es sich nicht um einen Stil von „Antigrappling“ handelt sondern dass es echtes „Grappling“ ist. Auch wenn es im Kali nicht das Ziel ist, zu Boden zu gehen sondern den Kampf so schnell als möglich stehend zu beenden und innerhalb kürzester Zeit, weil es im Kampf vorkommen konnte, dass man zufälligerweise zu Boden kam, und man sich irgendwie retten musste. Er ist anderen Stilen des Bodenkampfes sehr ähnlich, wie z.B. dem Brazilian Jiu Jitsu oder dem Sambo und folgt denselben Prinzipien, wie Nachgiebigkeit, Gebrauch des Beckens, was nichts anderes ist als der Gebrauch des männlichen Dreiecks, das einzige Dreieck welches wir am Boden ausführen können, wegen den offensichtlichen Begrenzungen in den Bewegungen am Boden im Gegensatz zur stehenden Position. Im Vergleich zum BJJ oder zum Sambo ist es weniger Regeln unterstellt und weniger ausgearbeitet, im Kali soll der Bodenkampf denn auch so kurz wie möglich dauern, weil man während der Schlacht leicht Zielscheibe war für die feindlichen Krieger, wenn man sich zu lange im Bodenkampf betätigte. Auch am Boden sind die Schläge fundamental: abgesehen davon, dass man im Dumog auf eine Gelenkhebelung oder auf eine andere Technik der Kontrolle über den anderen aus ist, ist es sehr wichtig, eine dominante Position zu haben, um den Gegner besser zu treffen. Des Weiteren wird häufig von Druckanwendung durch die Finger Gebrauch gemacht, dies sowohl stehend und auch im Bodenkampf. Mit den Fingern oder den Ellbogen werden Schwachpunkte gedrückt (Augen, Hals, Rippenzwischenräume, Genitalien, Gelenkspalten). Ein charakteristischer Aspekt des Dumog ist der Kampf mit Waffen, stehend wie auch am Boden. Wenn man vom vorhergehenden Prinzip ausgeht, dass die Waffen Verlängerungen der Hände sind, ist es möglich, die Trang Kada auszuführen, indem man den Stock oder das Messer benutzt, oder man führt eine Gelenkhebelung mit den Händen, ohne Waffe aus und schlägt mit der anderen, bewaffneten Hand zu.
Im Kali ist der Kampf „total“, während der Schlacht war es das Ziel, in kurzer Zeit zu töten und selber möglichst wenig zu Schaden zu kommen. Alle Teile einer Waffe werden gebraucht, auch der Griff, welcher Punyo genannt wird und zum schlagen eingesetzt wird, sowie zum aufhängen und entwaffnen. Abgesehen davon ist die andere Hand immer frei um zu schlagen und zu kontrollieren. Falls Klingen im Spiel sind, wird immer über den Handrücken kontrolliert, um zu vermeiden, dass die Pulsadern allfälligen Schnitten ausgesetzt werden. All dies, zusammen mit Tritttechniken, Kniestössen, Hebelungen und Würgegriffen, gehört zur Technik des Kali, wo das Hauptziel dasjenige ist, unversehrt zu blieben. |
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