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Um eine Kampfsportart besser zu verstehen, muss man ihren Ursprung, ihre Herkunft und den soziokulturellen Kontext kennen, in welchem sie sich entwickelt hat. Wenn es sich um Philippinischen Kampfsport handelt, finden wir uns vor einem weit größeren und vielfältigen Panorama wieder, als wir annehmen würden. Der Grund dafür liegt darin, dass das Philippinische Archipel über Jahre hinweg von verschiedenen Völkern erobertes Land war, welche ihren kulturellen Fußabdruck als auch Spuren in Bezug auf den Kampfsport hinterlassen haben (je nach Zone mehr oder weniger stark). Die Spanier sind eines der Länder, die den stärksten Einfluss hinterlassen haben, wenn auch nicht auf dem ganzen Territorium. Den spanischen Einfluss spürt man am stärksten im zentralen und nördlichen Teil, wo sich der Katholizismus, von den Spaniern hergebracht, auf 90% der Bevölkerung verbreitet hat. Ganz anders sieht es hingegen im Süden aus, wo der Islam die meisten Gläubigen hat, dies dank eines starken Einflusses des darunter liegenden Indonesischen Archipels.
Alle diese Unterschiede sind leicht nachzuprüfen, auch im Kampfsport. Gerade im zentral-nördlichen Teil, wo Namen von klar spanischer Herkunft wie Arnis oder Escrima verbreitet sind, kann man bewaffnete Kampfsysteme mit eindeutiger Färbung der spanischen Fechtkunst erkennen, abgesehen von einem technischen Glossar mit einer noch deutlicher iberischen Prägung.
Anders sieht im südlichen Teil aus, wo man Kampfsport mit dem Namen Kali identifiziert; wo der spanische Einfluss deutlich geringer ist und wo hingegen die malaysisch-indonesischen Spuren deutlicher sind und wir einigen Elementen des Silat begegnen, vor allem im Kampf ohne Waffen. Vor allem aus dieser Gegend, hauptsächlich von der Insel Mindanao, stammen die meisten der Prinzipien und Techniken des Kali Kalasag.
Der Kalasag ist ein spezieller Schild, welcher von einigen philippinischen Stämmen benutzt wurde. Das System wurde mit diesem Namen bezeichnet, um damit die Tradition und die Prinzipien dieser Kampfkunst aufrecht zu halten, welche ursprünglich nicht zur Selbstverteidigung sondern für den Kampf konzipiert wurde. Kali ist aus jahrelanger Kriegserfahrung entstanden und hat sich weiter entwickelt und sich als eines der tödlichsten Kampfsysteme erwiesen, wie Berühmtheiten wie Ferdinando Magellano erleben konnten, der am 27. April 1521 an der Schlacht auf der Mactan-Insel (nördlich von Mindanao) sein Leben durch Kampilan-Schläge (philippinische Machete) des Kriegers Lapu-Lapu verloren hat; oder wie viele amerikanische Soldaten, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts von den Moros-Kämpfern mit ihren Bolos (Arbeitsmessern) in den Wäldern abgeschlachtet wurden. Noch heute gehört Mindanao zu den turbulentesten Gebieten des gesamten Archipels und viele seiner Bewohner fordern die Unabhängigkeit der Regierung von Manila.
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